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65. Internationale Engadiner Konzertwochen/ St. Moritz 2005

(Engadiner Post vom 13. August 2005 von Ingelore Balzer)
Begegnung mit einem fabelhaften Gitarristen
 
Ein Schweizer Meister auf dem sechsseitigen Zupfinstrument […]
 
Der Gitarrist Christoph Denoth [...] berührte [...] die Herzen aller, die die klassische Musik und vor allem auch die Gitarre lieben, mit einem aussergewöhnlichen Programm.
 
In William Shakespeares Tagen kam in England die in höfischen Kreisen sehr gepflegte Gamben- und Lautenmusik voll zum Erblühen und John Dowland (1563–1626) war einer der begabtesten Hauptvertreter dieser musikalischen Renaissance. Um ca. 1594 gab der Komponist ein Booklet heraus, aus dem Denoth [...] drei reizende Piecen präsentierte, deren Melodien schlicht und schön sind. [...] Sowohl «The Shoemakers Wife» wie «The Frog Gaillard» und die «Fancy» wurden sensibel gestaltet vom Interpreten und die unterschiedlichsten Schattierungen kamen, von offen-fröhlich bis hin zu gedämpft-schmeichelnd ausgezeichnet zur Geltung.
Der anschliessende Ausflug in die Barockzeit widmete sich dem grossen Meister Johann Sebastian Bach (1685–1750), dessen Reichtum musikalischer Gedanken sich nur mittels einer hervorragenden Spieltechnik des Interpreten angemessen ausdrücken kann. Sehr schön, was Denoth hier an Farben und Nuancen herausholte und beachtlich, mit wie viel Sorgfalt and Freude er die wechselnden Stimmungen der einzelnen Sätze anging. [...]
 
Meisterkompositionen aus Spanien und Kuba
Eine «Gallionsfigur» der Gitarrenmusik des 19. Jahrhunderts ist der spanische Musiker Fernando Sor (1778—1839) [...] mit seinem wohl berühmtesten Werk [...]: den Mozart-Variationen [...]. Es gelang dem Interpreten auch hier, eine enorme Innenspannung zu erzeugen und die speziellen Facetten der einzelnen Variationen sehr plastisch, sinnlich und lebendig herauszuarbeiten. [...]
 
Neueren musikalische Perspektiven wurde dann Raum gegeben […] mit Leo Brouwer, der als Gitarrist und Komponist ein besonderer Wegbereiter der avantgardistischen Musik auf Kuba ist. Delikaten Klangsinn [...] wie technische Brillanz bewies Denoth auch mit diesen Piecen [...].
Mit stupender Fingerfertigkeit gelang ihm auch eine schöne Interpretation von Manuel de Falla (1876–1946), aber ein eigentlicher Höhepunkt des Abends gelang Christoph Denoth mit drei Sätzen des Komponisten Isaac Albéniz (1860–1909), in denen rhythmisch ausgeprägtes, andalusisches Nationalkolorit zum Sprühen kam. Herrliche Töne wurden den Saiten entlockt, gleich einem goldenen Faden, der kunstvoll geworfen wird und sich dann immer wieder verwebt zu ungeahnten, beeindruckenden musikalischen Bildern [...].
Unvergessen bleiben jedem Zuhörer die wunderschönen Klangbilder [des] fabelhaften Gitarristen [...].

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