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Berührender lyrischer Gesang BASEL. Keith Lewis ist als gefeierter Tenor weltweit auf Opernbühnen und Konzertpodien zu Gast und dürfte dem Basler Publikum noch als Idomeneo in Erinnerung sein, den er vor fünf Jahren am Theater Basel verkörperte. Der gebürtige Neuseeländer tritt aber ebenso regelmässig als Liedsänger auf. Sein Recital in der Gare du Nord war allerdings in doppelter Hinsicht ein unkonventioneller Liederabend: zum einen war da das Programm, das mit Ausnahme einiger Schubert-Nummern auf die traditionellen Werke aus Klassik und Romantik verzichtete und statt dessen Purcell, Britten und de Falla ins Zentrum rückte. Zum anderen übte für einmal nicht ein Pianist am Flügel die Begleitfunktion aus, sondern ein Gitarrist: Kein solider Bass und keine satten Harmonien stützten den Sänger, sondern das intime, leichte Musizieren des Gitarristen Christoph Denoth – ein Element, das die Hörgewohnheiten besonders zu Beginn auf reizvolle Weise herausforderte.
Barocker Affekt-Ausdruck und gespenstische Düsternis
Drei Stücke von Henry Purcell eröffneten den Abend. Lewis, dessen geschmeidige Tenorstimme weder gepresst, noch forciert daherkam und stellenweise schon fast Countertenor-Qualitäten zeigte, blieb auch in den höchsten Lagen entspannt und wunderbar glatt und übertönte Denoths durchgehend tadelloses Saitenspiel nie. Gelungen erging er sich in tonmalerischer Ausgestaltung, etwa in der Arie «What power art thou» aus der Frost-Szene der Oper «King Arthur», und sehr schön geriet ihm der barocke Affektausdruck, auch wenn sich sein Vibrato manchmal etwas gar aufdringlich ausnahm. In den fünf Schubert-Liedern überzeugte Lewis mit differenzierter Dynamik – vor allem im Bereich zwischen Mezzoforte und Pianissimo – sowie optimaler Textverständlichkeit, und die bekannte «Meeres Stille» nach Goethe stellte in ihrer reduzierten, fast schon gespenstischen Düsterheit einen der Höhepunkte des Abends dar. Abgeschlossen wurde diese erste Hälfte des Recitals mit zwei knappen, nicht ganz ernst gemeinten «Lute Songs» von Benjamin Britten. Die Gitarrentranskription der Begleitstimme stammte wie bei den vorhergehenden Stücken von Christoph Denoth.
Nach der Pause noch einmal Britten: Seine sechs«Songs from the Chinese» von 1957, die auf englischen Übertragungen chinesischer Lyrik basieren, sehen im Original ebenfalls eine Klavierbegleitung vor. Trotz des skurrilen Moments, das sowohl den Versen als auch der Instrumentalstimme eigen ist, betrieb Lewis keine überdrehte und extravagante Textauslegung, sondern blieb seiner subtilen, lyrischen Klanggebung weitgehend treu.
Ähnlich seine Herangehensweise an die 1912 geschriebenen «Siete canciones populares españolas» von Manuel de Falla: Die eher melancholische Grundstimmung, die vorherrschte, sorgte stellenweise für einnehmend wehmütige Momente. Bei aller Agilität hielten sich Lewis und Denoth dennoch allermeist zurück. Einzige Ausnahme bildete die letzte Nummer, deren explosive Leidenschaft einen energischen Schlusspunkt unter dieses ebenso ungewöhnliche wie beeindruckende Liederrecital setzte.
Für die grosse Begeisterung der zahlreich erschienenen Zuhörenden bedankten sich die beiden Musiker mit zwei (kurzen) Zugaben. |